Rund 60 % der deutschen KMU betreiben laut Bitkom-Studie noch mindestens einen lokalen Server. Diese Server veralten, brauchen Wartung, verursachen Kosten und stellen ein Sicherheitsrisiko dar — besonders für Unternehmen ohne eigene IT-Abteilung. Cloud-Migration löst diese Probleme. Für Brandenburger KMU kommt hinzu: Das BIG-Digital-Programm fördert die Migration mit bis zu 50 % der Kosten.
Was bedeutet Cloud-Migration konkret?
Cloud-Migration bezeichnet den Prozess, IT-Systeme, Daten und Anwendungen von lokaler Infrastruktur auf cloud-basierte Dienste zu verlagern. Das Spektrum reicht von der einfachen Ablösung eines lokalen E-Mail-Servers (z. B. durch Microsoft 365 oder Google Workspace) bis zur vollständigen Migration aller Unternehmensdaten und -anwendungen in eine Private Cloud oder einen europäischen Cloud-Anbieter.
Die Vorteile der Cloud für den Mittelstand
1. Geringere IT-Betriebskosten
Ein lokaler Server kostet Anschaffung, Wartung, Strom und Kühlung. Hinzu kommen Backup-Systeme, Lizenzerneuerungen und — nach 5 bis 7 Jahren — Ersatz. Cloud-Lösungen wandeln diese Kapitalausgaben in planbare monatliche Betriebskosten um. Für ein 20-Personen-Unternehmen können das Einsparungen von €10.000 bis €40.000 über fünf Jahre sein.
2. Höhere IT-Sicherheit durch professionelle Rechenzentren
Lokale Server sind häufig schlechter geschützt als professionelle Cloud-Rechenzentren: kein 24/7-Monitoring, keine automatischen Sicherheitsupdates, keine redundante Stromversorgung. Europäische Cloud-Anbieter wie IONOS, Hetzner, OVHcloud oder AWS Europa betreiben Rechenzentren mit ISO-27001-Zertifizierung, physischer Zutrittskontrolle und automatisierten Bedrohungserkennungen.
3. Ortsunabhängiges Arbeiten und Kollaboration
Cloud-Anwendungen sind von überall erreichbar — im Homeoffice, beim Kunden, auf der Baustelle. Das ermöglicht echte Flexibilität beim Arbeitsort und erleichtert die Zusammenarbeit über Standorte hinweg. Tools wie Microsoft 365, Google Workspace oder Nextcloud Enterprise bieten kollaborative Dokumentenbearbeitung in Echtzeit.
4. Automatische Backups und Notfallwiederherstellung
Datenverlust durch Hardwareausfall, Brand oder Ransomware ist für viele KMU existenzbedrohend. Professionelle Cloud-Lösungen erstellen automatisch mehrfach täglich Backups auf geographisch getrennten Rechenzentren. Die Wiederherstellungszeit nach einem Ausfall beträgt Minuten statt Tage.
DSGVO und Cloud: Was bei deutschen Unternehmen zu beachten ist
Der häufigste Einwand gegen Cloud-Nutzung ist der Datenschutz. Er ist berechtigt — aber lösbar. Entscheidend ist, dass personenbezogene Daten ausschließlich auf Servern in der EU oder dem EWR verarbeitet werden und ein Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) mit dem Cloud-Anbieter abgeschlossen wird. Europäische Anbieter wie IONOS (Rechenzentrum Deutschland), OVHcloud (Frankreich/Deutschland) oder Hetzner (Deutschland) erfüllen diese Anforderungen standardmäßig.
Typische Cloud-Migrationsprojekte und ihre Kosten
BIG-Digital Förderung für Cloud-Migrations-Projekte
Cloud-Migration fällt klar in den Förderbereich des BIG-Digital-Programms der ILB Brandenburg, sofern sie als Prozessinnovation begründet wird — also nicht nur als technologische Modernisierung, sondern als Enabler für verbesserte Geschäftsprozesse. Das BIG-Digital-Programm erstattet 50 % der förderfähigen Projektkosten, bei Umsetzungsprojekten bis zu €250.000.
- →Förderfähig: Externe Implementierungs- und Migrationsleistungen
- →Förderfähig: Erste 12 Monate Cloud-Lizenzkosten
- →Förderfähig: Datenmigrations- und Integrationsprojekte
- →Förderfähig: Schulung der Mitarbeiter auf neue Cloud-Werkzeuge
- →Förderfähig: IT-Sicherheitskonzept und Einrichtung von Zugriffsrechten
- →Nicht förderfähig: Laufende Cloud-Kosten nach dem ersten Jahr
- →Nicht förderfähig: Interne IT-Personalstunden
In 5 Schritten zur geförderten Cloud-Migration
- →Schritt 1: Bestandsaufnahme — welche Systeme laufen lokal, welche Daten müssen migriert werden?
- →Schritt 2: Anbieterauswahl — EU-basierter Anbieter mit AVV, passend zu Datenschutzbedarf und Budget
- →Schritt 3: BIG-Digital Förderantrag stellen — vor dem ersten Beauftragungsvertrag
- →Schritt 4: Bewilligungsbescheid abwarten — erst dann Dienstleister beauftragen
- →Schritt 5: Migration, Schulung, Inbetriebnahme — und anschließend Förderung abrufen